Im Kinder-Wildniscamp

Hallo ihr Lieben, die Blogpause bei Waldweg ist nun beendet.

Ich hoffe, ihr hattet einen schönen August. Wir waren mit der Familie auf Reisen (im Friaul und in Kärnten) und es war großartig, endlich dem schlechten Wetter hier im Norden entfliehen zu können.

Gleich nach unserer Rückkehr habe ich dann wieder meine Sachen gepackt und bin zu einem Praktikum bei einem Kindercamp der Wildnisschule Seenland aufgebrochen.

Selber Praktikantin zu sein, war für mich etwas ganz Besonderes, denn vor drei Jahren war ich noch eine Mutter, die ihr Kind zum Wildniscamp schickte. Damals besuchte mein großer Sohn sein erstes Wildniscamp. Als ich ihn nach acht Stunden Betreuung abholte, war er so ruhig und ausgeglichen wie selten. Ich war überrascht und begeistert.

Ich wollte mehr wissen, und habe dann damals einen Naturmentoringkurs der Wildnisschule Seenland besucht (findet immer im November statt, dieses Jahr vom 10.-12.11.17), und danach war es um mich geschehen. Es war, als ob ich endlich nach Hause gekommen wäre. So viel Offenheit, Vertrauen, und Gemeinschaft zu erleben, das hat mein Leben für immer verändert. Eine Ausbildung zur Wildnispädagogin schloss sich an und so führte mich mein Weg wieder zurück an dieselbe Stelle, aber diesmal in anderer Rolle.

Ich war gespannt. Wie würde es sich anfühlen, auf der anderen Seite zu stehen?

Um es vorwegzunehmen: Es war eine tolle Woche. Anstrengend und intensiv aber auch unglaublich bereichernd. Sie wird mir lange im Gedächtnis bleiben. Es waren so viele tolle Momente, neue Erfahrungen und nachhaltige Begegnungen.

Das fängt schon mit dem Ort an. Das Camp findet in einem aufgegebenen Park einer verlassenen Villa statt. Der Park und der Wald drumherum werden schon seit langem nicht mehr bewirtschaftet, es gibt dort uralte Eichen und Buchen, unzählige umgestürzte Bäume, an deren Wurzeln Lehm abgebaut werden kann, kleine Rinnsale, wo sich prächtig Frösche und Kröten fangen lassen, (und natürlich wieder freigelassen werden), und so viele Stöcker, wie das Kinderherz verlangt.

„Der Platz muss genügend Angebote haben“, so fasst es Wieland Woesler, der Leiter der Wildnisschule Seeland zusammen.

Und genau so war es: Wir sind haben unsere Umgebung jeden Tag von neuem erforscht und es war immer wieder toll zu beobachten, wie natürlich und unbefangen die Kinder sofort angefangen haben zu spielen. Da brauchte es keine Spielzeuge oder andere Hilfsmittel, die Kindern haben einfach die vorhandenen Möglichkeiten genutzt.

Auffallend war, wie unbekümmert und ruhig die Kinder draußen waren. Es gab keine Rangeleien, keine Streitigkeiten, jedes Kind hatte seinen Platz, wo es einfach sein konnte. Das galt für die Hochbegabte, die eine Lehmschale nach der anderen formte, genauso wie für das Kind mit der ADHS-Diagnose, das einen ganzen Vormittag einen Frosch nach dem anderen fing, ihn uns zeigte und dann vorsichtig wieder zurück ins Bachbett trug.

Es gab wunderschöne Begegnungen mit den Tieren, die uns umgaben: Ein Reh schoss vor uns aus dem Dickicht, eines der Kinder fand einen seltenen Kammmolch und der Mäusebussard begleitete uns mit seinen Rufen die ganze Zeit.

Doch das war noch  nicht alles: In kleinen Gruppen haben wir mit den Kindern am Nachmittag zusammen Feuer gemacht, Hobos aus Dosen gebaut, Naturmandalas gelegt, Zauberstöcke aus Naturmaterialien gefertigt, Tarnen und Verstecken geübt und einen Unterschlupf gebaut.

Es war eine bunte und vielfältige Woche und die Kinder waren begeistert. Am letzten Tag kam eines der Kinder auf mich zu, eine Lehmschale in der Hand und sagte, „Ich möchte mich beim Wald bedanken für alles, was wir diese Woche erlebt haben.“ Zusammen haben einen schönen Platz gesucht, die Lehmschale dort hingestellt und dem Wald gedankt – ich war so gerührt,  ich kann das gar nicht in Worte fassen.

Darum meine Empfehlung: Wenn ihr einen Betreuungsengpaß in den Ferien habt, oder einfach mal etwas Neues für eure Kinder ausprobieren wollt: Sucht hier nach der nächsten Wildnisschule und schaut euch deren Programm an.

Im Hamburger Raum kann ich die Wildnisschule Seeland empfehlen, die Tagescamps finden in Wentorf, südöstlich von Hamburg, statt. Für größere Kinder (ab 12) gibt es Camps mit Übernachtung in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Im Groß-Berliner Raum kenne ich die Wildnisschule Hoher Fläming gut und schätze ihre Arbeit sehr.

Aber auch die anderen Wildnisschulen haben attraktive Angebote, schaut einfach mal nach.

2 Comments

  1. Ein wunderbarer Text – danke dafür! Ein ganz toller Einblick in das Wildniscamp, in dem meine Tochter dieses Jahr zum ersten Mal war. Ihr hat die Zeit in der Natur draußen so gut getan, dass Sie im Herbst gleich wieder ins Wildniscamp möchte 🙂

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